Wie im Tempel, so auf dem Parkplatz

Jul 27, 15 Wie im Tempel, so auf dem Parkplatz

 

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Montag. SPIRITUALITÄT IN DAMANHUR

 

Für diese Mitteilung als auszubildende ‚Befana‘ wähle ich, mithilfe eines Bildes zu kommunizieren.

Es sieht vielleicht wie ein banales Bild aus, doch für mich steht hinter diesem Muster aus ineinandergreifenden Steinen auf dem Boden eine ganze Welt, die wir in Damanhur fast jeden Tag kontaktieren. Für mich sind sie ein Symbol für eine emotionale Erfahrung, die ich schon seit einer Weile mit euch teilen möchte, auch wenn ich bis jetzt nicht den richtigen Moment dafür gefunden hatte. Lasst uns sehen, ob die auszubildende Befana dieses Gefühl vermitteln kann, das nun schon einige Jahre zurückliegt…

Ich war gerade nach einer langen Zeit in Amerika zurück nach Damanhur gekommen. Ich bewegte mich durch das alltägliche Leben mit offenen Augen und beobachtete alles mit einem tiefen Gefühl von Fröhlichkeit und Erstaunen. Ich bin in Damanhur zu Hause. Hier bin ich wieder, endlich! Dinge sehen, euch sehen. Euch berühren. Berühren mit den Händen, den Sinnen, ohne die digitalen oder astralen Filter der Distanz. Alles real, präsent, ein großes Geschenk.

Ich ging gerade über den Parkplatz in Damjl, den Blick mit zusammengekniffenen Augen nach unten gewandt, wegen der Helligkeit der Sommersonne, und ganz plötzlich blieb ich stehen.

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Zum ersten Mal sah ich diese ineinandergreifenden Steine, die ich so viele Jahre lang ignoriert hatte. Ich schaute mir ihre einheitlich rechteckige Form an, mit Farben von ziegelrot bis orange-grau. Sie – also die Blöcke – begannen mit mir zu sprechen. Manche hatten süße Stimmen. Andere waren eher erzürnt. Alle erzählten mir, dass jemand sie dorthin gelegt hatte, jemand, der „im Schweiße seines Angesichts“ hier gearbeitet hat. Ich hatte eine Vision von Schubkarren voller Steine, ausgeleert und wieder gefüllt, jeder an seinen Platz, einer nach dem anderen, Stück für Stück die Bodenbedeckung vervollständigend.

HorusIch fühlte eine so starke Welle von Emotionen in meinem Herzen, dass mir Tränen in die Augen schossen. Ich war betroffen davon, wie viel Liebe und Anstrengung darin investiert worden waren, diese Bodenabdeckung für den Parkplatz zu bauen, so einfach, grundlegend und selbstverständlich. Ich fühlte mich, als wäre ich in den Tempeln der Menschheit, im Saal der Spiegel, mit den Füßen auf dem Boden, den Nacken gebeugt und den Mund sperrangelweit offen vor Erstaunen über die Glaskuppel über mir, jede Farbe genießend, jedes Stück Glas, das gezeichnet, geschnitten, gebrochen wurde, bis es die richtige Form hatte, dann mit einem Streifen perfekt ausbalancierten Kupferbandes bedeckt und in flüssigem Metall gebunden worden war.

In diesem Moment verstand ich, sie sind gleich: die tausende Steine unter meinen Füßen und die tausende Glasstücke über meinem Kopf. Wie oben, so unten. Der einzige Unterschied ist der, dass das Glas jeden Tag angestarrt und bewundert wird und die ineinandergreifenden Steine kaum je bemerkt werden. Dennoch sind sie gleich, denn die Liebe, Aufmerksamkeit und Hingabe, die in jedem Stück steckt, ist die gleiche. Ich ging schnell wieder zu meinem Büro, um nicht in die Verlegenheit zu geraten jemandem erklären zu müssen, warum ich mitten auf dem Parkplatz in Damjl stehe und weine.

Manchmal, wenn die alltäglichen Anstrengungen des Immer-Weitergehens und Damanhur-Bauens beginnen auf mir zu lasten und ich mich versucht fühle anzuhalten, mich zurückzuziehen, in meiner Vorstellung in eine weniger fordernde Realität zu flüchten, denke ich an diese Parkplatz-Steine. Ich denke an die anonymen Hände, die sie dort in perfekten rechten Winkeln hingelegt haben. Ich fühle mich gestärkt von diesem Bild und von der Gewissheit, dass eines Tages jedes kleine Stückchen, das – mit welchem Material auch immer – gebaut worden ist, zu jemandem sprechen wird.

Quaglia Cocco

1 Kommentar

  1. Husky Vaniglia /

    I found Quaglia’s article with her reflections on the Damjl parking lot blocks very touching and interesting, so I would like to share a piece of Damanhur history that many people may not know.
    Before the Damjl parking lot was paved, it was a dirt lot that created a lot of discomfort for everyone (Damanhur citizens and guests) when it rained, because of the mud and the puddles of water. Even when it was dry, it was difficult for the amount of dust that rose every time a car entered. The project to pave the parking lot was on hold for many years since there were always other priorities. Then in 1994, we formed community regions: Etulte, Tentyris, Acamil, Valdaijmil, Rama Pan.
    The Valdaijmil region – made up of about 40 resident citizens in the nucleos around the current Damjl area – took the project to heart, and every month, each one of us set aside an amount, and we succeeded in paving the first part of the parking lot, which at that time still cost about €20,000. The coordinators of this project were Husky as head of the Valdaijmil region and Piovra for the artistic part.
    I want to tell you a nice anecdote. At the beginning of the project, after choosing the materials, defining the measurements, the lights, etc. we decided to play a joke on the foreman who was coordinating the work of paving the parking lot. He was a young Sardinian man living in the town of Castellamonte nearby Damanhur). We invited him for a coffee at the Somachandra cafe, and in a very natural way, Piovra pulled out an extremely complicated design which was the dome of the Hall of Mirrors, telling him that we wanted to make this image on the parking lot. We thought that he would have been completely blown away, and he would have said no, we can’t do that! It’s too hard and complex. But instead, with a nice smile, he immediately said yes! He just said that where the smaller pieces were, there would be less weight-bearing capacity on the blocks for the cars passing over them. We were not expecting this, and we were stunned. We learned our own lesson from this: that everything is possible, everything can be done. We hadn’t anticipated his reaction, but at that point, what had started as a joke became the oval image that is currently on the pavement of the parking lot.
    A few years later (in 1988 I think) citizens of Valdaijmil made an additional effort, and we completed the pavement until the edge of the parking lot where there is the second gate, increasing the quality of life for everyone, or at least, for everyone who had walked and driven through dirt and mud all those years.

    I share this story for the benefit of future generations!

    con voi,
    Husky Vanilla

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