Eine unerwartete Kraft

Okt 12, 17 Eine unerwartete Kraft

 

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SPIRITUALITÄT IN DAMANHUR

 

Ich bin dem Tod zum ersten Mal an einem warmen Sommertag am Fluss begegnet. Ich hatte zusammen mit einem damanhurianischen Freund, der nicht schwimmen kann, eine stille Bucht am Fluss gesucht. Wir liefen über die Steine neben einem ungestümen Wasserfall und auf einmal rutschte ich aus und fiel in das von der Wucht des Wassers in den Felsen gehauene Wasserbecken. Die Felsenwände rings umher waren glatt und ohne Möglichkeit sich irgendwo festzuhalten – der überwältigende Strom des Flusses führte zu einem anderen Wasserfall, der 5 m tief über die Felsen nach unten stürzte und ungefähr 10 m von dem Platz entfernt war, an dem ich hinabgestürzt war.

Im selben Augenblick, in dem ich in das Wasser stürzte, begriff ich schon, dass ich sterben würde. Plötzlich überfiel mich eine tiefe Ruhe und breitete sich in all meinen Zellen aus. Nachdem ich in dem wilden Gewässer unter die Wasseroberfläche gezogen wurde, tauchte ich wenige Meter vor dem nächsten Wasserfall wieder auf. Die Kraft des Wassers drückte mich gegen die glatte Wand des Reservoirs, was mich unaufhaltsam dem nächsten Fall entgegenbrachte.

In jenem Moment geschah etwas, das ich danach in meinem ganzen Leben nie wieder gefühlt habe: Ich habe gespürt, wie sich in mir etwas “geöffnet” hat, ich habe verstanden, dass das Leben und der Tod, die bisher so untrennbar gewesen waren, sich voneinander entfernten. Ich fühlte deutlich diese beiden sich trennenden Richtungen, nicht nur in mir, sondern auch um mich herum, als ob alle Moleküle, die an diesem Ereignis beteiligt waren, unter seinem Einfluss vibrierten. Dieses einzigartige, unbeschreibliche und kraftvolle Gefühl, war frei von jeglicher Schwäche, Leiden oder Angst. Ich war für einen langen, sehr langen Moment an den Stein geschmiegt, regungslos im peitschenden Strom, ohne dass mein Körper auch nur den geringsten Widerstand leistete. Ich glaube, ich habe das Gleiche erlebt wie trockene Blätter, die in der Mitte des wirbelnden Flusses still auf dem Wasser schweben, einfach, weil sie der Bewegung des Wassers keinen Widerstand entgegensetzen. Der einzige, einfache Gedanke war die ganze Zeit: „Es dreht sich nur noch um einen Moment“.

In der Zwischenzeit hatte mein Freund um Hilfe gerufen und andere Personen waren dazu gekommen. Als er mich dicht beim Wasserfall wieder auftauchen sah, rannte er zu mir, um mir einen Halt zu bieten. Von den anderen an den Armen gehalten, um nicht seinerseits in das Wasser zu stürzen, streckte er mir seinen Fuß entgegen und ich hielt mich an ihm fest, als wäre er aus feinstem Glas und könnte jeden Moment zerbrechen. Ich wusste, dass mich die Strömung fortgerissen hätte, wenn ich mich stärker festgeklammert hätte. So haben sie mich ganz langsam und vorsichtig aus dem Fluss gezogen.

Ich fühlte, wie dieser feine Film, der einen Augenblick vorher nahezu ganz gerissen war, sich wieder schloss: Alles wurde wieder kompakt und ich war wieder eine einzige Sache, die mit der Realität der Umgebung verbunden war.

Ich hatte schon vor dieser Episode über den Tod meditiert, weil wir uns in Damanhur darauf vorbereiten, diesen Übergang bewusst zu erleben, aber von diesem Tag an hat sich etwas für immer verändert. Ich weiß nun, dass sich in dem Moment, in dem sich der Tod präsentiert, eine enorme Kraft in mir freigesetzt wird, die es mir ermöglicht, diesen Übergang sanft und bestimmt zu durchleben. Ich habe selbst erlebt, dass der Tod eine stille Kraft in uns erweckt, die nur darauf wartet, sich manifestieren zu können.

Ich hoffe, dir hilft meine Geschichte, den Tod von einer neuen Warte aus zu betrachten, und wenn du Lust hast, deine eigenen Gedanken oder Erfahrungen diesbezüglich mit uns zu teilen, schreibe uns bitte… Danke!

 

3 Kommentare

  1. Vielen Dank für den ehrlichen Artikel.
    Mir ist vor Jahren 2014 im Tsunami in Thailand etwas ähnliches passiert. Ich saß auf dem Bett als die Welle kam und wusste innerlich… das wars.
    Ich war vollkommen ruhig und entspannt und einverstanden.
    Ich schwebte dann in einem weichen, warmen hellen „Etwas“ und fühlte mich unbeschreiblich wohl und gut.
    Als ich wieder zu mir kam, war ich eingewickelt unter Wasser in dem Kanal hinter dem Haus, die Mauer über mir.
    Meine innere Stimme leitete mich und ermahnte mich keine Panik zu haben. Tastend fand ich dann das Ende der Mauer und stieß mich vom Boden ab um an die Wasseroberfläche zu kommen.
    Ich kletterte auf einen Baum und während ich da oben saß,
    erfüllte mich eine ungeheure Freude am Leben, eine tiefe Liebe und völliges Eins-Sein mit allem was ist.
    Dieses Erlebnis hat mich tief verändert.
    Danach manifestierte ich mir meinen Bauchgurt mit meinem Geld und meinen Papieren (der Geist beherrscht die Materie) und am nächsten Morgen hielt ich ihn durch „Zufall“;-) in meinen Händen.

    • Franziska /

      Vielen lieben Dank, für das Teilen, liebe Sabine! Wie wunderbar real.
      Con te
      Franziska

    • Wow, danke für das Teilen eurer Erfahrungen – wie berührend. Ich kann es mir vorstellen, erahnen, wie sich diese Kraft anfühlt, und, dass es sie gibt… Alles Liebe!

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