Religiöse Mythologie und Wissenschaft

Dec 15, 18 Religiöse Mythologie und Wissenschaft

 

teco_spiritual_vision-copy

SPIRITUALITÄT IN DAMANHUR

 

Wir leben in einer sehr interessanten Zeit. Wir sind an der Schwelle zwischen dem Zusammenbruch alter Mythen und der Erschaffung von neuen. Wer wird sie erschaffen?

Bis vor ungefähr 100 Jahren, war die Religion – mit ihren Mythen – die einzige Wahrheit, die den Menschen angeboten wurde. Wenn du in Italien geboren worden wärst, wärst du katholisch gewesen. Wenn du in Israel geboren wärst, wärst du ein Jude gewesen. Wenn du in Indien geboren wärst, wärst du hinduistisch gewesen. Die Religion war keine Wahl, sie war ganz einfach Ausdruck der Zugehörigkeit zu einer territorialen Gottheit, zu der Gottheit einer bestimmten Nation, eines bestimmten Landes oder Volkes. Jeder Gott war der einzige Gott und negierte die Möglichkeit, dass auch andere existieren könnten.

In den letzten 100 Jahren machten wir raschen Fortschritt in Bezug auf wissenschaftliche und technologische Entwicklungen. Als Menschen scheinen wir bemerkt zu haben, dass es auch andere Götter als die unseren gibt.

Es gibt Geschichten und Mythen anderer Religionen, die den unseren ziemlich ähnlich zu sein scheinen, wenn wir die Ähnlichkeiten suchen. Durch das Internet ist das sehr offensichtlich geworden. Wir können z.B. sehen, dass in vielen Religionen Gott von der Sonne repräsentiert ist und die Geburt der Götter am Ende des Sonnenjahres stattfindet. Wir sehen, dass in vielen Glaubenssystemen dem Wort Macht zugesprochen wird, und so weiter…

Es scheint, dass die Religionen archetypische Geschichten mit sich bringen, die Wege vorstellen, wie wir uns vielleicht auf neue Weise dieser chaotischen Welt nähern können – eine Welt, in der es so aussieht, als ob wir vergessen hätten, weshalb wir hier sind und wohin wir gehen, ganz zu schweigen von… naja: …wer sind wir?

Wie wirkt sich diese Veränderung auf unser Leben aus? Der Zusammenbruch alter Mythen scheint unsere Grundlagen zu destabilisieren. Womit können wir sie ersetzen? Dieses unglaubliche Potenzial unserer Zeit wird in der Debatte zwischen Jordan Peterson und Sam Harris deutlich herausgearbeitet. Diese Debatte, dokumentiert in einer unglaublichen Serie von 4 zweistündigen Videos, zeigt, dass es durchaus legitim ist, sich als Voraussetzung für ein gutes Leben an irgendeine Form von Religion zu halten.

In dieser Debatte verteidigt Jordan, ein klinischer Psychologe und kanadischer Universitätsprofessor, den Standpunkt, dass es wichtig ist, religiöse Geschichten zu erhalten, denn – unabhängig davon, ob sie wahr oder falsch sind – bieten sie ein ethisches Panorama als eine Basis, um darauf eine funktionierende Gesellschaft aufzubauen.

Für ihn ist nicht so wichtig, ob du dich für einen Atheisten oder eine religiöse Person hältst, sondern vielmehr, wie du dich verhältst. Viele Atheisten verhalten sich eigentlich wie Gläubige und religiöse Mythen sind in unserer Gesellschaft so tief verankert, dass sie als unbewusste Schicht betrachtet werden können, die das Verhalten eines jeden beeinflusst. Dem gegenüber vertritt Sam, ein amerikanischer Schriftsteller, Philosoph, Neurowissenschaftler und Religionskritiker die Position, dass wir nicht nur die Religion und ihre Geschichten nicht brauchen, sondern diese auch zutiefst gefährlich sind, weil sie offen zu aggressivem Verhalten aufrufen (im Namen Gottes Menschen zu töten) und den Glauben an etwas fordern, das sich als wissenschaftlich falsch erwiesen hat.

Für Sam kann Religion durch Vernunft ersetzt werden. Man kann leicht sagen, dass die Mythen im Nichts verschwinden können und die Vernunft gedeihen wird, aber ist das ein vernünftiger Glaube?

In Damanhur kann man beobachten, dass beide Seiten als Teilwahrheiten betrachtet werden können und für uns hat sich in den letzten 40 Jahren gezeigt, dass diese Sichtweisen sogar miteinander vereinbar sind. Von Anfang an betrachteten wir die Sichtweise Damanhurs als Philosophie und nicht als Religion. Das Unterscheidungsmerkmal ist dabei die Annahme oder Ablehnung von Dogmen. Eine Religion verlangt von einem Gläubigen den ultimativen Glauben, und viele der Glaubensaussagen werden als Dogmen betrachtet.

In der Praxis bedeutet das, dass ein Glaubender nicht über die Dogmen seines Glaubens hinausgehen kann. Unsere Philosophie hingegen betrachtet den Glauben als eines der alchemistischen Schlüsselelemente der menschlichen Suche nach der Wahrheit, wobei aber auf diesem Weg der Glaube sich an einem bestimmten Punkt in aus Erfahrung gewonnenes Wissen umwandelt.

In Damanhur feiern wir Rituale. Wir kommunizieren mit den Gottheiten und studieren ihre Geschichten. Wir erforschen die Mythen, obwohl wir wissen, dass wir diese Geschichten selbst auswählen. Spiritualität ist für uns kein statisches Dogma, sondern eine ständige Suche nach neuen Bedeutungen.

Auch sind wir auf der Suche nach den grundlegenden Archetypen und es gibt einige, die wir noch nicht entdeckt haben. Wir wissen, dass sie Schlüsselelemente sind, um unser volles Potenzial zum Ausdruck zu bringen. Deshalb begrüßen wir neue Mythologien und neue Geschichten. Wir brauchen Geschichten, die das Potenzial erschließen, das wir noch nicht ausgeschöpft haben. Jeder von uns schaut daher mit neuen Augen auf die Vergangenheit, um die neuen Geschichten zu erzählen, die geboren werden wollen.

Wenn du dir die in diesem Artikel erwähnte Debatte ansehen möchtest, findest du hier die 4 Videos von jeweils 2 Stunden (in Englisch). Das sind 8 Stunden, aber wir versprechen, dass es sich lohnt.

https://www.youtube.com/watch?v=d-Z9EZE8kpo&t=58s
https://www.youtube.com/watch?v=BtkwF5qA6uE&t=6916s
https://www.youtube.com/watch?v=ZZI-FwSQRn8
https://www.youtube.com/watch?v=YfdaAGZvYsA&t=1285s

Was ist deine Meinung über den Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion? Hast du eine neue Geschichte, in der diese scheinbar gegensätzlichen Felder miteinander vereinbar sind?

 

 

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*