Frühling des Lebens

May 15, 19 Frühling des Lebens

 

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LEBEN IN GEMEINSCHAFT

 

Als Meditation über Yagil Qan, dem göttlichen Geist des Monats Mai, der die lebenswichtige Seele an Kinder weitergibt, frage ich mich: Wie kann eine Gesellschaft die Talente fördern, die unseren Kindern innewohnen? Wäre für uns ihre Seele von einem göttlichen Geist durchdrungen, der sie zu Botschaftern der spirituellen Ebenen macht, würden wir ihre Persönlichkeit, Eigenschaften und Neigungen vielleicht respektvoller behandeln. Das im Westen vorherrschende Bildungssystem scheint dagegen bewusst so konzipiert zu sein, dass es die Entwicklung des kreativen und menschlichen Potenzials der Menschen verhindert.

Es gibt verschiedene andere pädagogische Modelle, die die Vorstellungskraft stärker anregen, und ich glaube, dass der Mensch von klein auf die Freiheit haben sollte, seinen Talenten und seiner Mission zu folgen, anstatt indoktriniert zu werden, um sich an vorher festgelegte Pläne der gesellschaftlichen Bedürfnisse anzupassen.
Es ist eine Tatsache, dass unsere Gesellschaft größtenteils dysfunktional ist. Dieses Modell kann nur dysfunktionale Individuen hervorbringen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit unglücklich sind, sich nicht verwirklichen können und aufgrund ihrer Unzufriedenheit und ihres Stresses oft krank werden.

Vom Kindergarten über das Gymnasium bis zur Universität, scheint ein Prototyp an Mensch konditioniert zu werden der wenig denkt und fühlt. Jemand, der herangezogen wurde, um den Ideen anderer zu folgen und nicht in der Lage ist, anderen gegenüber, die sich nicht in seinem engsten Kreis befinden, einfühlsam und liebevoll zu sein. Zahlreiche alternative pädagogische Ansätze zeigen, dass es möglich ist, glücklichere und erfülltere Menschen auszubilden: die Waldorfpädagogik, die Pädagogie von Montessori oder vom zeitgenössischen einem russischen Pädagogen, Shalva Amonashvili, der kürzlich Damanhur besuchte, und viele andere. Alles Beispiele, die zeigen, dass Kindererziehung nicht bedeutet, sie zur Anpassung an eine vordefinierte Schablone zu zwingen.

Shalva Amonashvili

Ich interessiere mich seit längerer Zeit für dieses Thema und arbeitete eine Zeit lang als Psychologin in einem Zentrum für Kinder in Schwierigkeiten in Zagreb. Es waren Kinder, die Opfer körperlichen, sexuellen und emotionalen Missbrauchs waren, und tagsüber ins Zentrum kamen. Die Therapie bezog, wenn möglich, auch die Eltern oder Erziehungsberechtigten dieser Kleinen mit ein. Diese schwierige und heikle Arbeit hat mir gezeigt, wie wichtig der Aspekt der Familie für die Bildung eines Menschen ist. Am Ende des Tages, nach der Therapie mit uns, ging es den Kleinen besser, aber wenn ich sie eine Woche später wieder sah, waren sie wieder traumatisiert, weil ihre Lebensumstände ihnen nicht erlaubten ihre geistige Gesundheit aufrechtzuerhalten.

Ich sah auch, wie verheerend es war, wenn die Kinder, die von missbräuchlichen Eltern weggenommen wurden, Erwachsenen anvertraut wurden, die die Erfahrungen, die sie gemacht hatten, nicht mit wahrem Mitgefühl und Akzeptanz annehmen konnten. Diese Ablehnung vertiefte die Wunden, obwohl die Umstände des Missbrauchs nicht mehr da waren.

Im Laufe der Zeit und meiner neuen Erfahrungen – vor allem meines Lebens in Damanhur – habe ich verstanden, dass die Bildung eines Menschen bereits vor der Geburt einsetzt und dass die Einflüsse weit über die familiäre und schulische Umgebung hinausgehen. In Damanhur habe ich einen wirklich ganzheitlichen Ansatz gefunden, von dem ich glaube, dass er eine echte Inspiration für die Welt sein kann, ein erster Baustein für einen Erziehungsweg für freie, vollständige und erwachte Menschen.

Die Zukunft beginnt vor der Empfängnis

In der damanhurianischen Philosophie beginnt die Bildung des zukünftigen Wesens und folglich die Konstruktion seiner Lebenslinie idealerweise lange vor seiner Empfängnis: nämlich wenn ein Paar anfängt, an Kinder zu denken. Die Aufnahme eines Neugeborenen ist ein heiliges Ereignis, auf das sich die Eltern und die Gemeinschaft gut vorbereiten: Die bewusste Entscheidung, Eltern zu werden und diese Entscheidung mit anderen zu teilen, ist eine Achtsamkeit, die ein starkes und ausgerichtetes Energiefeld schafft. Wenn ich mir ein neues Leben durch eine bewusste Entscheidung vorstelle, kann es meiner Meinung nach dem Leben des Kindes zugutekommen, das dann auf allen Ebenen geboren wird, geistig, emotional und körperlich. Um die Gefühle der Mutter und die ersten Erfahrungen des Kindes im Mutterleib zu bereichern, machen die zukünftigen Mütter spezielle Meditationen in den Tempeln der Menschheit und Dynamiken im Kontakt mit der Pflanzenwelt im Heiligen Wald. Diese Möglichkeiten stehen Frauen auf der ganzen Welt offen, die diesen Ansatz gerne erleben wollen.

Ein heiliger Akt

Die Geburt ist ein heiliges, sehr delikates Geschehen, bei dem sich die Türen des Lebens und des Todes berühren, und durch das die Frau auf Energien und Erfahrungen zurückgreift, die so alt sind wie die Menschheit selbst. Ich arbeitete auch als Psychologin bei der Vorbereitung auf die Geburt und beobachtete, wie sehr sich die Geburt verändert, wenn die Frau die Geburt als einen magischen Akt großer Transformation betrachtet, anstatt nur als einen “technischen” Moment.
Damanhurianische Hebammen begleiten die schwangere Frau sowohl physisch-praktisch als auch aus psychologischer, energetischer und spiritueller Sicht.

Wenn die Umstände es erlauben, kommen unsere Kinder zu Hause zur Welt, so dass ihre Geburt ein heiliger Moment für die ganze Gemeinschaft ist. Ich habe persönlich einer Geburt beigewohnt und das willkommen heißen dieses neuen Lebens war einer der schönsten und spannendsten Momente meines Lebens. Die damanhurianische Familie, in der Inanna ankam, besteht aus fünfzehn Erwachsenen. Vor dem Haus, haben wir alle gemeinsam einen weißen Stern aus kleinen Steinen gelegt, um ein feines Signal für die kommende Seele zu schaffen. Auf Wunsch ihrer Mutter wurden die Wehen von Trommeln, Musik und Liedern begleitet, um ihr Energie zu geben und sie die liebevolle Gegenwart anderer fühlen zu lassen. Als die Kleine dann geboren wurde, weinten und lachten wir alle vor Freude und fühlten uns als Teil eines unwahrscheinlich großen Wunders, das unsere Existenz transzendierte. Nach den hier üblichen Begrüßungsritualen, veranstalteten wir zur Begrüßung von Inanna dann ein Gemeinschaftsfest mit Musik und Tanz, zu dem alle Bürger von Damanhur eingeladen waren.

Was sind deine Erfahrungen mit Erziehung und Wachstum, die dir geholfen haben, diese vitale Seele zum Vorschein zu bringen, die dich belebt? Oder haben Erfahrungen, die du als Elternteil, Familienmitglied oder Erzieher gemacht hast, dazu beigetragen, dass andere Kinder aufblühen?

Bertuccia Bietola

 

 

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