Ist es möglich, die anderen zu ändern?

Jul 04, 19 Ist es möglich, die anderen zu ändern?

 

astronave_popolo_live_community-copy-102x150

LEBEN IN GEMEINSCHAFT

 

Jeder möchte seine Freunde und Lieben gerne unbeschwert sehen. Es ist schön zu sehen, wie sie Schüchternheit überwinden oder Arroganz abbauen, Mut fassen oder etwas vorsichtiger, phantasievoller oder rationaler werden – je nachdem, welche Talente und Mängel sie ausdrücken.

So wie wir unsere eigenen Unzulänglichkeiten, die andere irritieren und uns leiden lassen, gerne überwinden würden, so möchte jeder den anderen auch helfen, dasselbe zu tun. Man weiß ja, dass die Begrenztheit der anderen oft besser erkannt wird als die eigene. Deshalb ist der Wunsch, dass die anderen über ihre Grenzen hinauswachsen hin und wieder sogar stärker als der Wunsch nach der eigenen Entwicklung.

Kann man den anderen helfen, sich zu verändern? In gewisser Weise sicher nicht – in anderer Hinsicht schon. Jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich und hat das Recht und die Pflicht, sich um sein eigenes Verhalten zu kümmern. Manche Verhaltensweisen wie gewalttätige, anmaßende, verurteilende Einstellungen usw. können anderen eindeutig schaden. Andere Verhaltensweisen wie – Entsagung, Pessimismus, Unsicherheit wirken sich tendenziell selbstschädigend aus. Hierfür ist jeder selbst verantwortlich und trägt folglich auch die Verantwortung dafür, diese zu modifizieren – und in etwas zu verwandeln, das harmonischer und nützlicher ist.

SICH ZUR ANNAHME ENTSCHEIDEN

Wenn wir das Problem von diesem Standpunkt aus betrachten, ist es nicht möglich, anderen zu helfen, und in gewisser Weise ist es nicht einmal fair, weil es bedeuten würde, sich über sie zu stellen. Jeder Mensch verändert sich erst dann, wenn er sich selbst dazu entscheidet oder wenn er angesichts von Ereignissen, die einen Kurswechsel erfordern, einer Veränderung zustimmt. Kurz gesagt, der Mensch kann sich freiwillig ändern, wenn er z. B. entschlossen ist, seine Trägheit zu überwinden und unternehmerischer zu werden. Aber er kann sich auch ändern, wenn ein Autounfall ihn zwingt, seine Vorstellung von Aufmerksamkeit zu überdenken. In diesem Fall ist es offensichtlich nicht etwas, das man will, sondern eine Veränderung, die akzeptiert wird.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Veränderung dann eintritt, wenn die Person zustimmt. Wenn jemand die Art zu sein eines anderen zu verändern versucht, verhält er sich damit nicht nur grenzüberschreitend, sondern es ist so, als würde man versuchen ein „Loch ins Wasser“ zu machen. Wer kann sich anmaßen zu entscheiden, was das Beste für jemand anderen ist? Auch wenn es offensichtlich zu sein scheint, steht es uns nicht zu, einzugreifen.

WIE DIE STEINE EINES FLUSSES

Ist dann jeder in der Selbstveränderung auf sich alleine gestellt? Nein, sicher nicht. Im Denken von Falco Tarassaco und in der Erfahrung der Damanhurianer ist die Beziehung zu anderen für das eigene Wachstum von grundlegender Bedeutung. Falco verwendete dieses Beispiel: Wir sind alle Flusskiesel, im Fluss des Lebens. Durch die Strömung des Flusses reiben sich die Kieselsteine aneinander und runden sich dabei ab, glätten ihre Ecken und verändern sich gegenseitig.

Dies bedeutet, dass das Leben der große Lehrer ist, und wir können uns als Schulkameraden gegenseitig helfen alle Lektionen zu lernen. Wichtig ist: Niemand kann der Lehrer eines anderen sein, aber wir sind alle Klassenkameraden und unter dieser Voraussetzung können wir uns gegenseitig helfen!

Zu diesem Zweck können wir lernen, für die anderen ein Spiegel zu sein und ihnen meisterhaftes Verhalten und positive Gewohnheiten anbieten. Nachdem wir dies getan haben, können wir sie auch darauf hinweisen, dass es Verhaltensweisen gibt, die sie zu ihrem eigenen Wohl und dem anderer ändern könnten. Wenn wir jemand anderem etwas vorschlagen, dürfen wir nicht vergessen, dass wir somit auch die Verantwortung für die Angemessenheit unseres Vorschlages übernehmen und diese Verantwortung durch unser vorbildliches Verhalten bezeugen.

WER HILFT DIR?

Auf diese Weise werden wir nicht nur bei ihrer Veränderung geholfen haben, sondern dadurch auch unsere eigene Transformation unterstützt haben, denn wir haben uns dadurch verpflichtet, uns auch selber zu verbessern.

Kommen wir auf die Ausgangsfrage zurück: Ist es möglich, andere zu ändern? Die Antwort ist, dass es nicht möglich und sicher nicht ethisch ist, für andere zu entscheiden, aber es ist möglich, denen, die an sich selbst arbeiten wollen, bei ihren Veränderungen zu helfen. Unsere Hilfe kann den Unterschied machen – sie kann das Element sein, das endlich konkretisiert, was bis dahin nur ein Wunsch war.

 

Unsere Hilfe kann durch Liebe, Freundschaft und Solidarität wirksam werden.

Und ein bisschen Beobachtung. Schau dich um: Wer hilft dir bei deinem Wandel?

 

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*