Pan-Psychismus und das Werden einer Gottheit

Jun 12, 21 Pan-Psychismus und das Werden einer Gottheit

 

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SPIRITUALITÄT IN DAMANHUR

 

In einem Interview, in dem er sein neuestes Buch vorstellt, vertritt McGilchrist die Position, dass Wert und Bestimmung ebenso wie das Bewusstsein primäre Elemente sind, weil sie in die Dynamik von allem eingebettet sind. Das Universum selbst hat einen Antrieb, eine Richtung – das, was wir in damanhurianischen Begriffen den „Pfeil der Komplexität“ nennen – und schon allein die Tatsache, dass der Kosmos die Energie hat, sich weiterzuentwickeln, Differenzierung in der Verbundenheit zu produzieren, ist ein Wert an sich.

Wir sind wie McGilchrist davon überzeugt, dass Werte, Bestimmung und Sinn in die Struktur des Kosmos eingewoben sind. Unsere Aufgabe ist es, diese Elemente zu finden, denn Bewusstwerden bedeutet, eine Wertschätzung für Wahrheit, Sinn und Schönheit zu entwickeln und einen Sinn für das Heilige zu haben. Das schließt mit ein, demütig genug zu sein, um sich einzugestehen, dass wir nicht alles wissen und wahrscheinlich auch nie wissen werden.

Zusätzlich zu diesen Elementen ist aus damanhurianischer Sicht die Rückbesinnung auf das göttliche Prinzip in jedem von uns sehr wichtig, weil sich das auf das gesamte geistige Ökosystem auswirken kann. Dies bedeutet, in die Dimension der Beziehungen, die den Ereignissen Lebendigkeit verleihen, einzuwirken, in die Prozesse also, die zu „Dingen“ auf der materiellen Ebene werden. Auch dies ist weder ein neues Konzept, noch auf spirituelle Kreise beschränkt.

Alfred North Whitehead, Co-Autor von Bertrand Russell der Principia Matematica (1910-12-13) hatte eine tiefe Einsicht, als er schrieb, dass das, was auch immer man „Gott“ oder „Göttlichkeit“ nennen will, das Element ist, mit dem sich der gesamte Kosmos in einer Beziehung befindet. Die Beziehung ist hier also der Kern des Seins: Sie existiert sogar vor den Dingen und ihren Beziehungen untereinander. Falco hat auch bei vielen Gelegenheiten argumentiert, dass die Beziehung vor allem anderen schon existiert, und es ist die Beziehung, die es uns ermöglicht, mit anderen Dimensionen des Seins zu kommunizieren, wie z.B. der „Schwelle“, d.h. den Astralebenen und dem Jenseits.

In der hinduistischen Mythologie wird diese Sichtweise anhand der Vorstellung von Indras Netz verdeutlicht: Die Stränge dieses Netzes existieren schon vor ihren Kreuzungspunkten. Diese sind aber das, was in unserer Welt der „Form“ existiert, was wir also wahrnehmen. An den Kreuzungspunkten befinden sich kleine Edelsteine, die jeden anderen Edelstein im Netz reflektieren – eine Vorstellung, die unserem Mythos des Spiegels des Einsseins ähnelt, der im Universum der Formen in Splitter zerbrach.

Die Gottheit und der Kosmos befinden sich in einer ständigen dynamischen Beziehung, in ständiger Evolution also, und wir kennen das Endresultat nicht. McGilchrist, ähnlich wie wir, argumentiert: „Gott ist dabei, durch die Beziehung, die klassischerweise in jeder Religion LIEBE genannt wird, zu entdecken, zu werden, zu erfüllen, was auch immer Gott ist. Es ist eine Form der Schwerkraft in der Welt der Form und der Emotionen. Wir kommen ins Dasein, Gott kommt ins Dasein und wir brauchen uns gegenseitig, um ins Dasein zu kommen. Ein gleichzeitiges Werden.

Deshalb werden wir, wie es auf unserem Planeten schon seit Jahrtausenden getan wird, freudig und achtsam das Ritual der Sonnenwende feiern. Und dann werden wir alle zusammen ein letztes Mal die Gegenwart von Pan anrufen: um eins zu werden mit der Sonne und der Erde, um immer hellere Edelsteine in das Netz der Ereignisse zu setzen und um mehr Liebe in uns und in die Beziehungen zwischen uns zu bringen. Frohe Sonnenwende!

Esperide Ananas

 

 

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